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Hier finden Sie eine Auswahl an Presseartikeln über das Ethikcolleg und seine Arbeit. Weitere Beiträge folgen. Um zu dem jeweiligen Artikel zu gelangen, klicken Sie einfach auf die folgenden Namen der Zeitungen. Nordhandwerk - März 2003 Trierischer Volksfreund - Oktober 2002 Rhein-Zeitung - August 2002 Rheinischer Merkur - 2002 Rheinischer Merkur - Dezember 2001 Die moralische Mitte ist eine Fiktion Die breite Mitte der Gesellschaft pflegt die geltenden gesellschaftliche Werte am ehesten zu verkörpern. Als tragende Säule der gesellschaftlichen Entwicklung hält sie Moral, Rechtschaffenheit und Eigenverantwortung hoch, auch wenn sich Politik, Wirtschaft und Medien lieber an den verschiedenen Randgruppen orientieren. "In der Mitte schlägt das Herz eines Volkes", schreibt Professor Joachim Kohlhof in seiner Essay-Sammlung zur wirtschafts- und gesellschaftsethischen Diskussion. Der
Fachmann für Finanzierungs- und Ethikfragen der Wirtschaft beschreibt
den Werteverfall der modernen Gesellschaft aus konservativ-religiöser
Perspektive. Er weiß, dass die unangreifbare moralische Mitte
der Gesellschaft nur eine Fiktion ist, sieht aber dort nach wie vor
die Ideale der Mehrheit verankert. Diese verlangen nach Maß, Ziel
und Aufrichtigkeit und müssen im Interesse der Zukunft wieder mehr
Bedeutung erhalten. Anerkannte Werte bestimmen unsere Kultur, nicht gelebte Leitkulturen aber führen zur tiefen Vertrauenskrise. Dabei ist auch die Wirtschaft zutiefst angewiesen auf Vertrauen in der Gesellschaft und damit auf Anstand, Sitte und Moral. Nur wer gerecht, vertrauensvoll und verantwortungsbewusst handelt, kann auf längere Sicht mit unternehmerischem Erfolg rechnen. Aus dieser Sicht sind Unternehmensethik und Unternehmenserfolg verschiedene Seiten der gleichen Medaille. In 22 Beiträgen setzt sich der Autor mit den Schattenseiten von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, mit Betrug, Täuschung und Vertrauensmissbrauch auseinander. Das Themenspektrum reicht von der Gentechnik über die Machtpolitik bis zur Bildungspolitik. Die Selbstheilungkräfte der Gesellschaft reichen seiner Auffassung nach nicht aus, die ethische Verwirrung zu überwinden. Wirtschaft und Gesellschaft benötigen im Rahmen der geltenden Gesetze wieder anerkannte Spielregeln für ein vorbildliches Miteinander. Aber auch die politischen Rahmenbedingungen müssen dieses Anliegen fördern, indem sie Transparenz herstellen und Verantwortlichkeiten klar zuordnen. Kohlhof
entwickelt in seinen Essays kein ausdifferenziertes ethisches Konzept,
ist aber gern zu engagierten Urteilen in allen praktischen Lebensfragen
bereit. Sogar die Kirchen kritisiert er als Organisationen wegen einer
moralisch nicht immer konsequenten Haltung. Der Leser muss nicht jede
Meinung des Autors teilen, er wird im Vorwort ermuntert, sich in jedem
Fall auch ein eigenes Urteil zu bilden.
Erfolgsrezept: Guter Umgang mit Mitarbeitern Wirtschaftsethiker Prof. Kohlhof wirbt für Werte in der Wirtschaft MEHREN. Die Zeiten in der Wirtschaft sind frostig: Kein Platz also für Ethik und partnerschaftliches Miteinander zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern? Professor Joachim Kohlhof ist da ganz anderer Meinung. Der Okonom wirbt für eine verstärkte Ethik in der Wirtschaft. "Ethik ist ein wichtiger Produktionsfaktor." Prof. Joachim Kohlhof hat kaum die Tür in seinem Mehrener Wohn- und Arbeitshaus in der Eifel geöffnet, schon ist er mitten in seiner Materie. Der Ökonom kam so zu sagen über die "zweite Erkenntnis-Schiene" zu seiner Lebensaufgabe. 1945 in Dinslaken geboren, stieg er über den Gerling-Konzern auf zum Bundesbankrat (1978), war Direktoriums-Mitglied der Landeszentralbank Köln und Bonn, wechselte zur Sparkasse Daun und erhielt 1994 die Berufung zum Lehrstuhlinhaber für Finanzierung und Investition an der FH in Brandenburg. Im Jahr 2000 gründete er das Colleg für Wirtschafts-, Unternehmens- und Führungs-Ethik in Mehren. "1994 stand ich, vor der Frage, ob ich mein Leben lang den gleichen Berg hinauffahre und von einer Sparkasse zur anderen Sparkasse wechsele." Kohlhof entschloss sich zur Zäsur und folgte dem Ruf nach Potsdam. Dort begann er, seine Vorstellungen von Ethik zu formulieren. Doch an den deutschen Hochschulen sei dafür (noch) kein Raum und deshalb gründete er sein eigenes Colleg. Europa weit ist er nun ein gefragter Referent, von Riga über Stockholm bis Antwerpen und bei vielen Vorträgen in Deutschland. Seine Idee, die Wirtschaft, Unternehmer und Politiker für mehr Ethik in ihrem Umfeld zu sensibilisieren, finden vielfältiges Interesse. Seine Ansätze sind provokativ. "Ein gutes Unternehmen braucht keine Gewerkschaft. Dort verstehen sich Mitarbeiter und Management." Und
so ficht Kohlhof auch gleich einen Strauß mit den Arbeitnehmern
aus, kritisiert den Manteltarifvertrag als antiquiert und glaubt, dass
die Gewerkschaft die letzten Jahre verschlafen hätten." Ethik
ist die Lehre von der Verantwortung", sagt er und dieser müssten
sich heute die Verantwortlichen stellen. Vielmehr als früher gelte
es wieder Werte zu vermitteln. "Wie wir mit den Maschinen umgehen
sollen, sagen uns die Techniker, wie wir aber mit den Mitarbeitern umgehen
sollen, sagt uns die Ethik." Die Defizite auf Unternehmerseite
seien nicht zu übersehen. Das Verhalten eines Ron Sommer kann Kohlhof
überhaupt nicht verstehen. "Wer wie er Milliarden an Volksvermögen
zerstört dann mit einer dicken Abfindung in den Vorruhestand geht,
das ist aus meiner Sicht kriminell." Mit seinen Ideen hat Kohlhof jüngst bei den Wirtschaftsjunioren Anerkennung gefunden. Der Wirtschaftsverband zeichnete Kohlhof mit dem Ehrenpreis der WJU "Soziale Verantwortung des Mittelstandes" aus. Die
Anerkennung, die der Professor auf der Arbeitgeberseite findet, bestärkt
ihn, dass er auf dem richtigen Weg ist. Denn wie gut oder schlecht ein
Unternehmen sei, liege am Chef und dem Umgang mit seinen Mitarbeitern.
"Langfristig ist Erfolg ohne Ethik nicht möglich. Wer sich
für seine Mitarbeiter verantwortlich fühlt, muss dafür
sorgen das sie die Möglichkeit haben, sich nach ihren Fähigkeiten
zu entwickeln." Ein
Patentrezept hat er aber auch nicht. Doch Kohlhof sieht allein die Beschäftigung
mit ethischen Fragen in der Wirtschaft als die einzige Möglichkeit
an, ein Unterehmen Werte orientiert und damit nachhaltig erfolgreich
auszurichten. "Ein Unternehmen ohne ethische Werte ist wie ein
Unternehmen ohne Mitarbeiter - gar nichts!"
Erfolg mit Anstand - Fairness, Ehrlichkeit, Anstand - das sind nicht die ersten Begriffe, die einem einfallen, wenn es um die Wirtschaft geht. Ein Ex-Banker aus der Eifel glaubt dennoch, dass sich Erfolg und gute Sitten nicht ausschliessen. Unternehmen machen Negativ-Schlagzeilen, Arbeiter gehen auf die Straße und landen trotzdem beim Arbeitsamt: Joachim Kohlhof hat dem "Wahnsinn" den Kampf angesagt. Fressen und gefressen werden, jeder ist sich selbst der Nächste und geht dabei über Leichen: Aus moralischer Sicht leben wir in einer grausamen Wirtschaft. Konzerne fusionieren, bauen ihre Macht aus. Der Preis dafür ist hoch. Tausende Arbeitsplätze werden wegrationalisiert und fehlen den nächsten Generationen. Die Börse belohnt diese Unternehmenspolitik mit einem kräftigen Kursanstieg , die Vorstände schielen auf ihre Aktienoptionen und reiben sich die Hände. "Das geht so nicht weiter", sagt Joachim Kohlhof, und die Stimme des 57-Jährigen wird laut dabei. "Das ist völlig verantwortungslos! " Der so spricht, stand einmal mittendrin in dem, was er heute kritisch von außen beäugt Kohlhof ist ein waschechter Banker. Nach Studium und Promotion war der Wirtschaftswissenschaftler, unter anderem Vorstandsassistent beim Gerling-Konzern gehörte zur Direktion der Landeszentralbank in Köln und Bonn und war Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Daun. Vor acht Jahren wurde er zum Professor an die Hochschule für Wirtschaft und Technik in Brandenburg berufen. Er hat dort einen Lehrstuhl für Finanzierung und Investition. Für ethische Fragen hat sich der gläubige Christ schon immer interessiert, als Ökonom ist er überzeugt davon, dass sich Ethik und wirtschaftlicher Erfolg nicht ausschließen. Im Gegenteil: "Ethik ist das Fett, mit dem die übrigen Produktionsfaktoren reibungslos zum Erfolg geführt werden können." Anders gesagt: "Jeder Entscheider muss sich fragen ob das, was er tut, gegenüber seinen Mitarbeitern, den Kunden und der Gesellschaft verantwortbar ist." Die Realität, die Kohlhof während seiner 25-jährigen Tätigkeit im Bankgeschäft erlebte, sah indes anders aus. "Gerade Banken meiden Moral wie der Teufel das Weihwasser, da macht mir keiner was vor" , sagte er und lächelt bitter. Immer wieder hat er im Lauf dieser Jahre Manager gesehen, die versagten, sobald soziale Verantwortung gefragt war. Als er Hochschullehrer wurde, ist ihm klar geworden, warum: Diese Themen werden während der Ausbildung an den Hochschulen und im beruflichen Alltag total ausgeblendet." Joachim
Kohlhof ist keiner, der tatenlos zusieht. In seinem Wohnort Mehren in
der Eifel gründete er vor zwei Jahren das EthikColleg. Bei Seminaren
im Kloster Maria Laach können Führungskräfte aus Banken
und Unternehmen von ihm ein Management der anderen Art kennen lernen:
Anstand, Glaubwürdigkeit, Ehrlichkeit und Fairness. Kohlhofs Ansprüche
sind hoch, seine Leitfrage klingt einfach, ist es aber nicht: "Wie
wir mit den Maschinen umgehen müssen, sagen die Ingenieure, aber
wie gehen wir mit den uns anvertrauten Menschen um?" Gesprächsstoff gibt es bei Kohlhofs Seminaren genug. Keine Unternehmensführung ist unfehlbar, auch die der Branchenriesen nicht. Die Zeitungen berichten täglich davon: Xerox, Enron, Babcock, Worldcom. Die spektakulärste Unternehmenspleite in der Geschichte der USA, der Niedergang des Energie-Giganten Enron, erschütterte nicht nur den Aktienindex Dow Jones, sondern auch den Glauben an die amerikanische Version eines menschenfreundlichen Kapitalismus. "Die Menschen waren so empört", sagt Joachim Kohlhof, "weil es möglich war, dass so lange und so heftig zum Nachteil unzähliger Existenzen Betrügereien verdeckt wurden." Schlimmer noch: "Die Beteiligten wirkten ohne jedes Schuldempfinden mit." . Es war eine kleine Buchhalterin, die den Mut aufbrachte, den skandalösen Bilanzbetrug aufzudecken, der von Prüfern und Politikern stillschweigend geduldet wurde. Der Börsenwert von Enron mit 30 Milliarden US Dollar löste sich über Nacht in nichts auf. Weitaus tragischer ist für Kohlhof die menschliche Dimension dieses Debakels: "Die Leistungen vieler verpufften in einem einzigen Knall." In
Deutschland hat sich der 57-Jährige vor allem über Ex-Telekom
Chef Ron Sommer geärgert. Dessen Unternehmenspolitik hält
er für "absolut verantwortungslos". Statt die Bestandfestigkeit
des eigenen Unternehmens im Blick zu halten, ging der telegene Vorstandsvorsitzende
munter auf internationale Einkaufstour. Ein gutes Management bekennt sich zu seinen Fehlern und steht für sie gerade" - noch ein Satz aus dem Lehrbuch. Die gelebte Praxis sieht aus Sicht des Mehrener Wirtschaftsethikers aber ganz anders aus. Ron Sommer und die Telekom sind kein Einzelfall. Viele Vorstände gestatten sich mit wohlwollender Zustimmung ihrer Kontrollorgane - meist den Aufsichtsräten - fürstliche Anhebungen ihrer Bezüge, auch wenn das Unternehmen unter ihrer Agide buchstäblich den Bach hinuntergeht und der Aktienkurs purzelt. Oder, wie Joachim Kohlhof es formuliert: "Trotz sommerlicher Dürre, bei der viele verdursten, scheuen andere sich nicht, ihren Swimming Pool volllaufen zu, lassen." Was das deutsche Aktienrecht zulässt, muss nicht immer anständig sein, Gerade
in Krisenzeiten machen in Kohlhofs Augen nur ganz wenige Entscheider
eine gute Figur. Statt mit gutem Beispiel voranzugehen und kreative
Problemlöser für Mitarbeiter und Kunden zu sein, flüchteten
sich die meisten in paramilitärische Floskeln, bei denen es nicht
um ihre Verantwortung, sondern um "ultimative Bereitschaft zur
Höchstleistung" aller Mitarbeiter gehe. Kohlhof geht sogar noch weiter: "Der Mensch im Unternehmen ist nicht nur Kostenfaktor, sondern auch Träger des Erfolgs." Jede betriebsbedingte Entlassung ist für ihn eine Bankrott-Erklärung des Managements."Wer arbeitswilliges Personal freisetzt, vernichtet wertvolles Unternehmenskapital". Bundesweit werden voraussichtlich 40.000 Unternehmen in diesem Jahr Pleite machen. Nach Ansicht des Mehreners hätten viele von ihnen überlebt, hätte man sich nicht übereilt von erfahrenen Mitarbeitern getrennt. Doch Kohlhof rechnet nicht damit, dass irgendein Top-Manager sich tatsächlich die Frage stellt, wie er mit dem Vertrauen umgeht, das diese Mitarbeiter in ihn gesetzt haben. "Jeder von denen lebt nach dem Motto: Wir können alles, aber nichts dafür. " Dabei verschließt der promovierte Ökonom keineswegs die Augen vor notwendigen schmerzlichen Einschnitten. Sogar Sozialdumping kann er sich zur Rettung eines angeschlagenen Unternehmens vorstellen "wenn dies im Einvernehmen mit den Mitarbeitern entschieden wurde und auch die Manager Einbußen hinnehmen". Dass
sich Anstand als Geschäftsprinzip sogar rechnen kann, macht ein
Kreditinstitut in den USA vor. Nachdem das Management gemeinsam mit
den Angestellten beschlossen "Jeder Entscheider muss sich fragen, ob das was er tut, verantwortbar ist." Joachim Kohlhof hat keine Angst vor dem Wort Mission", wenn er von seiner Arbeit spricht. Und dass der Mann mit dem sorgfältig gescheitelten weißen Haar ein einsamer Rufer in der Wüste ist, weiß er selbst am besten. Dennoch wird der Ex-Banker weiter Vorträge im In- und Ausland halten, Seminare veranstalten und Bücher über Macht, Moral und Moneten schreiben. Allein seiner vier Kinder wegen. Denn die sollen nicht in einem Staat leben müssen, in dem die Anständigen die Dummen sind. Was ist Wirtschaftsethik?.*
Wirtschaftsethiker fragen, wie ethische Prinzipien
in der modernen Wirtschaft zur Geltung gebracht werden können.
Begründung: Unternehmen bewegen sich nicht im leeren Raum, sondern
sind auch eine "soziale Veranstaltung".
ETHIK / Seminare schulen Manager Sind Werte eine Erfolgsfaktor? Die Unternehmensethik soll helfen, Firmen wie Managern für potenzielle Konfliktfelder konkrete Handlungsempfehlungen zur Ausgestaltung einzelner Strategien anzubieten. Dies bedeutet in vielen Fällen Abkehr von lieb geworden, aber falschen Gewohnheiten. Aber nur wer gerecht und verantwortungsbewusst handelt, kann auf längere Sicht mit unternehmerischern Erfolg rechnen. Moralisches Handeln wird somit ein wesentlicher Bestandteil einer unternehmerischen Erfolgsstrategie. Hierzu müssen alle Geschäftsfelder und alle Verantwortungsbereiche einbezogen werden. Sachgerechtigkeit und Menschengerechtigkeit gehören in einem Unternehmen untrennbar zusammen. Was dabei sachgemäß ist, kommt durch den unternehmerischen Konsens und die eigene Wertefindung zustande; was menschengerecht ist, wird durch die definierten Werte, die gelebten Normen und die tatsächlichen Verhaltensweisen inhaltlich konkretisieren Gegenwärtig sind wir innerhalb der Wirtschaft aber weniger mit Fragen der verantwortbaren Sachbezogenheit von Unternehmenszielen befasst als mit Fragen, wie Untemehmenszusammenbrüche durch falsche Marktwertorientierungen, Korruption, Betrügereien durch bewusste Falschinformationen vermieden werden können. Wir sind mehr damit beschäftigt, unethisches Verhalten in Form von Verantwortungslosigkeit und Vertrauensbruch zu kaschieren, als uns auf die wirtschaftlichen Grundwerte zu besinnen. Dies
lässt den Markt zu einem wenig moralischen Wirkungsfeld verkommen,
in dem Anstand, Fairness, Verantwortlichkeit und Ehrlichkeit keine Chance
mehr zu haben scheinen gegen Cleverness, Trickserei und Skandale all
er Art. Das Menschenbild, so scheint es, wird geprägt von rücksichtslosem
Machertum. Die Untemehmensethik problematisiert keineswegs das Gewinnprinzip,
weil sie auch andere ergebnishafte Ethische Kompetenz ist keine Konkurrenz zu vorhandenen Entscheidungs- und Unternehmenshierarchien, auch nicht zu etwaigen Bildungs- und Sozialprivilegien. Kein Unternehmen kann ohne ethische Werte leben. Es ist nur die Frage, ob sie identifiziert werden und wie mit ihnen umgegangen wird. Untemehmensethik und Untemehmenserfolg schließen sich nicht aus. Sie bilden sogar eine Schicksalsgemeinschaft. Sie sind verschiedene Seiten der gleichen Medaille und spiegeln den Wert eines Unternehmens wider; sie beanspruchen daher untrennbare Gültigkeit. Sie sind nicht wie Feuer und Wasser oder wie Profit oder Panik. Untemehmensethik ist lembar. Sie entspricht einem Grundbedürfhis verantwortlichen Handelns gerade im Wirtschaftsleben mit Menschen und für Menschen. Vor allem dann, wenn ein Unternehmen es ernst meint, Mitarbeiter zu Mituntemehmem zu machen und sich nicht davor fürchtet, dass sie eines Tages mitdenken und mitentscheiden. So gesehen ist die Untemehmensethik der wichtigste Erfolgsfaktor, den ein Unternehmen auf Dauer berücksichtigen muss. Joachim
Kohlhof ist Professor für Finanzierung und Investition und leitet
das Kolleg für Wirtschaftsethik in Mehren. In Maria Laach veranstaltet
er für Banken und Unternehmen Seminare über Ethikmanagement.
Management - Warum immer mehr Firmen ethische Leitbilder als Erfolgsfaktor entdecken- Gegen die Messerstecher
In den Chefetagen zählen Prinzipien wie Nachhaltigkeit oder
die gesellschaftliche Verantwortung wieder mehr als der schnelle geschäftliche
Erfolg. Deshalb will Joachim Kohlhof, Professor für Finanzierungsfragen und Investitionen, der den "Return on Ethics" als einer der Ersten entdeckt hat, viermal jährlich "Laacher Ethik-Tage" für Top-Entscheider arrangieren. Während seiner 25-jährigen Tätigkeit im Bankgeschäft machte er immer wieder die Erfahrung, "dass erschreckend viele Manager versagen, wenn die Dimension der sozialen Verantwortung gefragt ist; denn diese Themen werden während ihrer Ausbildung an den Hochschulen wie im beruflichen Alltag total ausgeblendet". Seit er vor einem Jahr in der kleinen Eifelgemeinde Mehren sein Ethikcolleg gegründet hat, ist er quer durch Europa unterwegs, um von Liechtendein bis Riga praxisnah die Zusammenhänge von Markt und Moral zu vermitteln. Seine Trainingsprogramme haben inzwischen auch Eingang gefunden in das Aus? und Weiterbildungsprogramm der Bundesanstalt für Arbeit. Sein Fazit lautet: "Wir erleben einen Bewusstseinswandel. Nicht mehr die Messerstecher sind gefragt, sondern wertorientierte Manager. Die Jongleure der Macht haben ausgespielt." Und deshalb seien die neuen ,Gewinner nicht mehr die Bosse mit den größten Umsätzen, sondern jene, die ihre Geschäftspolitik glaubwürdig in einem Wertesystem orientierten. "Es ist ein bisschen wie das Pfeifen Wald", beantwortet Ludger HonnfeIder, Leiter des Philosophischen Seminars an der Universität Bonn, die Frage, warum die Wirtschaft derzeit stärker denn je nach Ethik als dem großen Krisenlöser ruft. Die alte, vertraute Ordnung existiere längst nicht mehr. Aber auch die Gesetze der New Economy seien schnell in die Krise geraten Handlungsunsicherheiten seien die Folge. "In diesem doppelten Dilemma sucht die Wirtschaft verstärkt nach Mustern, die ihre Handlungen nicht nur als rational richtig, sondern auch als moralisch begründet erscheinen lassen." Ist dieses neue Denken mehr als ein Alibi für wirtschaftliche Fehlentwicklungen und Abstürze? Tatsache ist: Nicht nur global operierende Firmen wie Henkel in Düsseldorf oder die BASF setzen mehr und mehr auf einen für alle Mitarbeiter verbindlichen Verhaltenskodex. Die Ludwigshafener haben soeben eine Studie vorgelegt, wonach zwei Drittel aller Firmen bereit sind, verstärkt Selbstverpflichtungen vor allem in den Bereichen Umwelt und Soziales einzugehen. "Aber man müsste noch mehr Mut haben: die Politik im Loslassen und die Wirtschaft im Übernehmen von gesellschaftlicher Verantwortung", fordert Klaus Escher, Leiter Politische Kommunikation der BASF, ein neues Rollenverständnis. Berthold Leibinger, Geschäftsführender Gesellschafter des schwäbischen Vorzeigeunternehmens Trumpf in Ditzingen, sieht in dem veränderten Klima mehr als nur eine Reaktion auf die jüngsten Entwicklungen. "Nach dem 11. September sieht man vieles sicher schärfer, aber nicht grundsätzlich anders", dass nämlich "die moralische Qualität eines Unternehmens einen immer entscheidenderen Erfolgsfaktor im Wettbewerb spielt". Eine Vorreiterrolle in dieser vehement aufgebrochenen Debatte strebt die bundesweit operierende Pax?Bank an, die vor allem im kirchlich?karitativen Bereich engagiert ist. "Eine Unternehmensethik ist geeignet, Kunden und Mitarbeitern den christlichen Wertekonsens erlebbar zu machen" , begründet bar zu machen", begründet Vorstandsmitglied Winfried Hinzen den Vorstoß. Er will am 24. Januar in Köln Fachleute für Finanzen und Ethik zusammenbringen, um ganztägig zu beraten: Was bedeutet Ethik bei der Geldanlage von Kunden? Welche Auswirkungen ergeben sich aus der Verwendung der Gelder durch die Bank? Wie kann ein Bankbetrieb ethisch gestaltet werden? Ziel ist eine "Technik zur Bewältigung von bankmäßigen Entscheidungssituationen insbesondere auch unter ethischen Gesichtspunkten". Es sind vor allem die weit reichenden Veränderungen in der Arbeitswelt, die internationale Vernetzung, das globale Aufeinandertreffen unterschiedlicher Kulturen, die verbindlichere Orientierungen erzwingen, hat die Personalberaterin Mechthild Löhr beobachtet, die vor allem Unternehmen am Neuen Markt betreut. Sie ist auch Mitautorin eines Manager-Gebetbuches, das jetzt der Bund Katholischer Unternehmer auf den Markt gebracht hat. Der "Betriebsprüfer der Seele" soll auch auf Dienstreisen oder zwischen vollen Terminkalendern in der Jackentasche seinen praktischen Platz finden. Die wichtigste Voraussetzung für die Durchsetzung der neuen Leitbilder ist jedoch, dass sie aktiv vorgelebt werden. "Der Führungsebene muss klar sein, dass ihr Verhalten die Kultur und das Denken des Unternehmens prägt", fasst Joachim Kohlhof seine Erfahrungen zusammen. Dies bestätigt auch die Unternehmerin Christiane Underberg, für deren Firma ein klarer Wertekodex bereits seit fünf Generationen Tradition ist. Eine solche ethische Vision könne nur in einem längerfristigen Diskussionsprozess verwirklicht werden. Auf den neuen Boom reagiert sie deshalb auch eher vorsichtig. "jetzt können wir beobachten, ob Krisen auch menschlich bewältigt werden. Da trennt sich die Spreu vom Weizen", sagt die gelernte Sozialarbeiterin. Zu diesem Prozess gehört für sie durchaus auch ganz Konkretes: nämlich die Bereitschaft bestimmte Produkte einfach nicht mehr zu vertreiben. Doch ob sich das Verhalten in den Chefetagen wirklich grundlegend ändert, da hat auch die Organisationspsychologin Maria Fischer Zweifel. Sie hat in 14 Jahren Personalberatung bisher vor allem gelernt: "Nachhaltiges Denken ist vielfach bloß hinderlich. Erst wenn der Leidensdruck groß genug ist, hat neues Denken eine Chance." Literaturhinweise: Joachim
Kohlhof: Politik - Ethik - Wirtschaft. |